Bürogebäude Arheilger Straße
Darmstadt 1990
Der Ort: das Martinsviertel in Darmstadt. Man nennt es ländlich; daran stimmt vielleicht, daß kaum Spuren, wohl aber Erinnerungen an eine ferne ackerbürgerliche Vergangenheit überdauert haben. Lang ist dies ein schlechter Ruf gewesen. Mit diesem Ruf hat sich das Quartier der großstädtischen Entwicklung widersetzt, schon vor dem Krieg, der es -- ein Zufall -- verschont hat; danach fiel es erst recht im Strom der sich noch einheitlicher formierenden Gegenwart zurück. Fremde entdecken hier »Altstadt«; gleichwohl stammt ein Großteil der Bebauung aus der Gründerzeit, ein weiterer aus den der vorsichtigen Moderne aufgeschlossenen Zwischenkriegszeit. Immer aber war hier Durcheinander und Miteinander von groß und klein, hoch und niedrig, offen und geschlossen, von Platz und Brache, Hof und Haus -- und eben auch von Wohnen und Werken in kleinen Verhältnissen. Wie überall ist die städtebauliche Qualität dieser Mischung spät entdeckt und dann rasch zum Idyll verklärt worden.
Das Idyllische konzentriert sich noch einmal an dem Arbeitsraum, den Rüdiger Kramm hier geschaffen hat. Die Lebensqualität des Quartiers übersetzte er in eine besondere Qualität für den Produktionsprozeß -- nichts anderes ist schließlich das Erzeugen von Architektur in einem mittelständischen Unternehmen. Die Lokalitäten Stadtviertel, Straße, Nachbarhaus, Hof, Flur, Entwurfssaal sind in ein festes, sinnlich erfahr-bares Verhältnis gebracht; Kramm hat den Ort angenommen und damit eine Verpflichtung zu sensiblem Umgang. Annahme, Verwandlung, Rückgabe: das Gegenteil von Verbrauch also.
Den Passanten der Arheilger Straße schenkte er eine Fassade von großer Delikatesse, bezeichnet nur von einem Lichtwinkel aus Fensterkeil und Fensterband. Tags erhebt sie sich in aller Einfachheit als zweite Wand hinter einem klassizistischen Fragment. Pilaster, Gesims und der schmucke Giebel dieser Blende sind Relikt eines kleinen Milchladens, erinnernder Bestandteil, kein





