Einleitung und Zwischentexte: Prof. Werner Durth
Projektbeschreibungen: Klaus Honold
Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit
Projekte von 1997 - 1999
deutsch/englisch
Rüdiger Kramm ist einer der profiliertesten Vertreter jener Generation von Architekten, die Ende der siebziger Jahre mit eigenen Konzepten aus dem Schatten ihrer Vorgänger traten, welche in den drei Nachkriegsjahrzehnten die moderne Architektur in Deutschland neu begründet und weiterentwickelt hatten. Mit seiner stets eigenständigen Interpretation von Bauaufgabe und räumlichem Kontext verweigert er sich den Dogmen eines erstarrten Funktionalismus ebenso wie der Beliebigkeit postmoderner Ästhetik, um die für ihn zentralen Frage nach der Gebrauchsqualität der Bauten zu einer erstaunlichen Vielfalt der Gestaltungskonzepte zu finden.
Kramm studierte von 1966 bis 1972 an der Technischen Hochschule Darmstadt, deren Architekturfakultät zu jener Zeit maßgeblich von Günter Behnisch geprägt wurde. Nach dem Diplom ging er zu weiteren Studien an das University College in London, wo er anschließend mit D. W. Insall Projekte zur Stadterneuerung bearbeitete. 1977 gründete er in Darmstadt sein eigenes Büro. 1990 wurde er zum Professor für Baukonstruktion und Entwerfen an die Universität Karlsruhe berufen; im gleichen Jahr wählte er Axel Strigl zu seinem Büropartner.
Nach Projekten zur Sanierung historischer Bausubstanz und ersten Wohnhäusern, an denen er Konzepte für ein energie- und ressourcenschonendes Bauen erprobte, wurde Kramm 1983 mit der Wohnanlage in der Bessunger Straße in Darmstadt auch überregional bekannt. Bis heute gilt diese Siedlung mit ihrer differenzierten Grundrisstypologie und Freiraumgestaltung als beispielhaft für einen Wohnungsbau, in dem der Wandel der Haushaltstypen und Lebensstile einen auch gestalterischen adäquaten räumlichen Ausdruck findet. 1988 wurde die Siedlung mit dem Deutschen Städtebaupreis, 1989 mit der Auszeichnung für vorbildliche Bauten in Hessen gewürdigt. Nach wie vor bildet der Wohnungsbau den Schwerpunkt der Arbeit des Büros. Daneben hat es jedoch auch zahlreiche Gewerbe-, Verwaltungs- und Geschäftsbauten realisiert, darunter das Kaufhaus Zeilgalerie in Frankfurt.
Werner Durth ist Professor für Architekturgeschichte an der Technischen Hochschule Darmstadt und bekannt durch seine Publikationen zur Architektur und Stadtplanung der Nachkriegszeit. Seit seinem Studium an der Technischen Hochschule Darmstadt hat er die Entwicklung von Rüdiger Kramm aus nächster Nähe verfolgt.
Klaus Honold studierte Germanistik und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Er ist Redakteur bei der Tageszeitung Darmstädter Echo und arbeitet als freier Schriftsteller.





